Die Agent Economy: was es davon gibt und was Entwurf ist
Wenn Ihnen ein Anbieter erklärt, seine KI-Agenten würden bald selbstständig bei anderen Agenten einkaufen und bezahlen, lohnt eine nüchterne Prüfung, bevor Sie Ihre Planung danach ausrichten. Unter dem Namen Agent Economy wird eine Wirtschaft beschrieben, in der Software-Agenten Leistungen voneinander beziehen, ohne dass ein Mensch jeden einzelnen Auftrag anstößt. Damit das trägt, braucht es sieben Bausteine. Für einige davon gibt es offene Standards, die in Gebrauch sind; die übrigen sind Entwurf. Dieser Artikel trennt beides, damit Sie Angebote und Ankündigungen einordnen können.
Wie Agenten miteinander sprechen, ist standardisiert. Wie sie einander vertrauen können, ist es nicht.
Wer einem Agenten Geld oder Zusagen überlässt, muss selbst klären, wer das Risiko trägt; ein Protokoll klärt es nicht.
Was mit Agent Economy gemeint ist
Gemeint ist ein Markt, auf dem Agenten die Kunden und Lieferanten anderer Agenten sind. Ein Agent, der eine Reise planen soll, sucht sich dann selbst einen Agenten für Hotelpreise, einen für Flugverbindungen und einen, der die Angebote prüft, und bezahlt jeden davon.
Agent Economy
Ein Entwurf für eine Wirtschaft, in der KI-Agenten Leistungen anderer Agenten suchen, beauftragen, prüfen und bezahlen, ohne dass ein Mensch jede einzelne Beziehung einrichtet. Für Ihr Unternehmen ist der Begriff vor allem ein Prüfstein: Wer ihn verwendet, sollte sagen können, welche der dafür nötigen Bausteine sein Angebot tatsächlich enthält.
Model Context Protocol (MCP)
Ein offener Standard, über den eine KI-Anwendung Werkzeuge, Daten und andere Programme anbindet. Anthropic hat ihn im November 2024 offen veröffentlicht. Für Sie heißt das: Ein Werkzeug, das MCP unterstützt, lässt sich an verschiedene KI-Anwendungen anschließen, ohne für jede eine eigene Anbindung zu bauen.
Agent2Agent-Protokoll (A2A)
Ein offener Standard dafür, wie unabhängige Agenten einander finden, Aufgaben übergeben und Ergebnisse austauschen, auch über Unternehmensgrenzen hinweg. Google hat ihn im April 2025 vorgestellt. MCP verbindet einen Agenten mit seinen Werkzeugen, A2A verbindet Agenten untereinander.
Der Unterschied zu dem, was Softwaresysteme schon lange tun, liegt in der Auswahl.
Feste Anbindung
Programm A ruft Programm B über eine fest eingerichtete Schnittstelle auf. Wer liefert, zu welchem Preis und in welchem Format, haben Menschen vorher vereinbart und eingerichtet.
Der Entwurf
Agent A sucht zur Laufzeit einen passenden Agenten B, vergleicht Preis und Qualität, vereinbart die Bedingungen, bezahlt, prüft das Ergebnis und bewertet den Anbieter danach.
Die sieben Bausteine und ihr Stand
Offene Standards gibt es für Katalog und Bezahlung, für Identität in Teilen; für Vertrag, Verifikation, Reputation und Streitfall gibt es keinen. Die Tabelle gibt den Stand vom 14. Oktober 2026 wieder.
| Baustein | Was er leisten soll | Was es dafür gibt |
|---|---|---|
| Identität | Belegen, welcher Agent spricht und wer für ihn verantwortlich ist | A2A sieht optional signierte Agent Cards vor, die nachweisen, von wem eine Selbstbeschreibung stammt; Version 1.0 hat das Verfahren dafür festgelegt. Wer für die Handlungen eines Agenten haftet, regelt kein Protokoll. |
| Katalog | Finden, welcher Agent welche Leistung anbietet | Ein Agent beschreibt sich in einer Agent Card, einem JSON-Dokument, das er unter einer festgelegten Adresse auf seinem Server veröffentlichen kann. Eine Standardschnittstelle für zentrale Verzeichnisse schreibt die A2A-Spezifikation nicht vor. |
| Vertrag | Leistung, Format, Frist, Preis und Fehlerregeln maschinenlesbar vereinbaren | Kein Standard für Leistungsvereinbarungen zwischen Agenten. Muster für Verhandlungen über mehrere Runden stehen auf der A2A-Roadmap als Vorhaben, das untersucht wird. |
| Bezahlung | Zahlungen auslösen, die nachweislich vom Auftraggeber freigegeben sind | Unter anderem das Agent Payments Protocol (AP2), am 16. September 2025 von Google vorgestellt, als Erweiterung zu A2A und MCP; für Kryptozahlungen gibt es zusätzlich eine A2A-Erweiterung auf Basis von x402. AP2 belegt, dass ein Kauf vom Auftraggeber freigegeben ist; bezahlt wird über bestehende Wege wie Karte, Echtzeitüberweisung oder Stablecoins. |
| Verifikation | Prüfen, ob ein gelieferter Wert stimmt | Kein Standard, auf den sich die Träger von MCP und A2A verständigt hätten; es gibt Entwürfe wie den Ethereum-Vorschlag ERC-8004. Prüfen muss, wer das Ergebnis verwendet. |
| Reputation | Aus früheren Aufträgen ablesen, welchem Anbieter man trauen kann | Kein Standard, auf den sich die Träger von MCP und A2A verständigt hätten; ERC-8004 sieht ein Register für Bewertungen vor, ist aber ein Entwurf. Google nannte Reputation im Juni 2025 unter den Themen für weitere offene Standards. |
| Streitfall | Fehler, Erstattung und Ausschluss regeln | Kein gemeinsamer Standard für Erstattung und Ausschluss. AP2 liefert für Zahlungen einen Nachweis, was der Auftraggeber freigegeben hat; auf den können sich Kartennetze im Streitfall stützen. |
Das Muster ist deutlich: Standardisiert ist die Verständigung, also wie Agenten einander beschreiben, erreichen und Aufträge übergeben. Offen ist fast alles, was aus einer Verständigung ein Geschäft macht, auf das man sich verlassen kann.
Was es nachweislich gibt
Belegt sind drei Protokolle, die bei Organisationen für offene Standards liegen: MCP und A2A bei der Agentic AI Foundation, AP2 bei der FIDO Alliance.
MCP hat Anthropic am 9. Dezember 2025 an die Agentic AI Foundation übergeben, einen Fonds unter dem Dach der Linux Foundation, gegründet von Anthropic, Block und OpenAI. Die bisherigen Betreuer des Protokolls entscheiden weiter über seine technische Richtung; die Stiftung stellt den neutralen Rahmen.
A2A hat Google im Juni 2025 an die Linux Foundation übergeben. Am 12. März 2026 erschien Version 1.0, nach Angaben des Projekts die erste stabile Fassung; sie legt unter anderem fest, wie die Signatur einer Agent Card geprüft wird. Am 17. August 2026 gab die Agentic AI Foundation bekannt, dass A2A zu ihr wechselt; damit liegen beide Protokolle unter demselben Dach.
AP2 lässt sich als Erweiterung von A2A und MCP einsetzen und beantwortet eine Frage, die der Zahlungsverkehr bisher nicht stellen musste: Woran erkennt ein Händler, dass ein Agent wirklich im Auftrag eines Menschen kauft? AP2 arbeitet dafür mit Mandaten, kryptografisch signierten Nachweisen der Anweisung des Auftraggebers. In der Dokumentation heißen sie Checkout Mandate und Payment Mandate. Am 28. April 2026 hat Google AP2 an die FIDO Alliance übergeben, einen Branchenverband für offene Standards, und zugleich Version 0.2 veröffentlicht. Sie baut Zahlungen ohne anwesenden Menschen aus: Der Mensch legt vorab fest, unter welchen Bedingungen der Agent kaufen darf, etwa bis zu welchem Preis; sind die Bedingungen erfüllt, kann der Agent auf dieser Grundlage bezahlen.
Stand der Angaben
Die Angaben zu MCP, A2A, AP2 und ERC-8004 geben den Stand vom 14. Oktober 2026 wieder, geprüft an den Veröffentlichungen der Linux Foundation, der Agentic AI Foundation, von Anthropic und Google, an der Übergabe von AP2 an die FIDO Alliance, an der Dokumentation von A2A und AP2 sowie am Ethereum-Vorschlag ERC-8004. Protokolle dieser Art entwickeln sich schnell; vor einer Investitionsentscheidung lohnt ein Blick auf die jeweils gültige Fassung.
Dass es diese Protokolle gibt, heißt nicht, dass es den Markt gibt. Ein gemeinsames Format für Agent Cards beweist noch nicht, dass die Leistung hinter der Karte hält, was die Karte beschreibt.
Was Entwurf ist
Entwurf ist alles, was Vertrauen zwischen Agenten herstellen soll, die einander nicht kennen. Für sie gibt es keinen gemeinsamen Standard; Kennzahlen wie Erfolgs- oder Streitfallquoten eines solchen Marktes lassen sich deshalb nicht angeben.
Verifikation
Ohne Prüfung trägt keiner der anderen Bausteine, denn auch Reputation und Streitfall setzen voraus, dass ein Fehler überhaupt bemerkt wird. Das Konzept sieht vor, dass ein Agent ein Ergebnis in mehreren Schichten prüft, bevor er es verwendet oder bezahlt.
Format
Entspricht das Ergebnis dem vereinbarten Datenformat? Das lässt sich vollständig maschinell prüfen und ist der einfachste Teil.
Plausibilität
Liegen die Werte in einem erwartbaren Bereich? Ein Hotelzimmer für einen Euro ist formal gültig und trotzdem verdächtig.
Gegenprobe
Stimmt das Ergebnis mit einer unabhängigen zweiten Quelle überein, etwa dem Angebot auf der Website des Hotels selbst?
Herkunft
Liegen Belege bei, aus denen hervorgeht, woher ein Wert stammt und wann er erhoben wurde?
Diese vier Schichten sind kein Zukunftsthema. Sie sind dieselben Prüfungen, die eine KI-Anwendung braucht, deren Ergebnis weiterverwendet wird; wie man sie aufbaut, beschreibt unser Artikel über Evals für KI-Anwendungen.
Reputation und Streitfall
Reputation soll aus früheren Aufträgen ablesbar machen, welchem Anbieter ein Agent trauen kann, so wie Bewertungen auf einer Vermittlungsplattform. Das setzt voraus, dass jemand die Bewertungen sammelt, gegen Manipulation schützt und für alle lesbar macht; dafür gibt es Entwürfe wie den Ethereum-Vorschlag ERC-8004, aber keinen Dienst, auf den sich die Träger von MCP und A2A verständigt hätten.
Für den Streitfall skizziert das Konzept eine Abfolge, die ohne menschliches Eingreifen auskommen soll.
Fehler erkennen
Die Prüfung schlägt an: Ein Wert ist falsch, veraltet oder fehlt, oder eine Frist ist verstrichen.
Schaden einordnen
Der Fehler wird nach Schwere bewertet, vom harmlosen Formatfehler bis zur absichtlichen Täuschung.
Folge ziehen
Erstattung, Abwertung des Anbieters oder Ausschluss, nach vorab festgelegten Regeln. Was die Regeln nicht abdecken, geht an einen Menschen.
Der letzte Satz trägt die ganze Last. Solange es keine gemeinsamen Regeln gibt, landet jeder Fall, der nicht eindeutig ist, bei Menschen, darunter immer auch beim Unternehmen, dessen Agent den Auftrag vergeben hat.
Was das für Ihr Unternehmen heißt
Als Markt ist die Agent Economy für einen mittelständischen Betrieb noch kein Planungsgegenstand, die Protokolle darunter schon.
Wer KI-Anwendungen mit eigenen Daten und Programmen verbindet, sollte bei der Auswahl darauf achten, ob sie MCP unterstützen. Das hält die Anbindungen austauschbar, auch wenn Sie später das Modell oder den Anbieter wechseln, sofern der neue ebenfalls MCP unterstützt.
Wer digitale Leistungen verkauft, etwa Preise und Verfügbarkeiten, kann sich fragen, ob ein Agent sie finden und verstehen würde. Für Agenten, die über A2A suchen, braucht es einen Dienst, der A2A spricht; die Agent Card beschreibt ihn. Das ist ein Entwicklungsvorhaben, kein Eintrag auf der Website, bereitet ein späteres Angebot an Agenten aber vor.
Wer erwägt, einen Agenten im Namen des Unternehmens einkaufen oder zusagen zu lassen, braucht vorher klare Grenzen. Sinnvoll beginnt das dort, wo zwei Bedingungen zusammenkommen: Das Ergebnis lässt sich maschinell prüfen, und ein Fehler kostet wenig.
Was ein Angebot verspricht
Ein Agent, der Leistungen bei anderen Agenten selbstständig auswählt, beauftragt und bezahlt, rund um die Uhr und ohne Freigabe.
Was Sie dafür klären müssen
Bis zu welchem Betrag er ohne Freigabe handeln darf und wie diese Grenze technisch durchgesetzt wird. Wer seine Käufe prüft und woran ein Fehler auffällt. Wer haftet, wenn der Agent etwas bestellt oder zusagt, das Sie nicht wollten; das beantwortet kein Protokoll, dafür braucht es eine rechtliche Prüfung und klare Verträge mit Anbietern.
Wie viel ein System ohne Sie tun darf, ist die Frage, die wir in sechs Reifegraden von KI-Systemen ordnen; die Begriffe dahinter erklärt unser KI-Glossar für Führungskräfte.
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